Rückblickend war Anfang 2022 wohl der Moment, in dem der Grundstein für meine berufliche Neuausrichtung gelegt wurde. Gemeinsam mit meiner Frau und zwei Helfern sanierten wir das Erdgeschoss unseres Hauses, in dem wir bereits seit 2019 wohnten – Schritt für Schritt, damit wir währenddessen weiter dort leben konnten.

Einer der Helfer brachte eine Idee ein, die sich später als Wegweiser herausstellen sollte: CAT7-Kabel durchs ganze Haus zu verlegen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. Zu dem Zeitpunkt konnte ich mit dem Begriff wenig anfangen, ließ mich aber schnell überzeugen. Also verlegten wir etliche Meter CAT7-Kabel vom Keller über das Erdgeschoss bis ins erste Obergeschoss, um jeden Raum mit stabilem Internet zu versorgen – sogar die Küche wurde direkt für smarte Kühlschränke, Backöfen und Co. vorbereitet. Da mir das nötige Know-how fehlte, verließ ich mich zu diesem Zeitpunkt vollständig auf den Helfer, der mir auch versprach, den Netzwerkschrank aufzubauen. Dass genau dieses Versprechen später den Anstoß für meine berufliche Veränderung geben würde, ahnte ich damals noch nicht.

Ende 2022 war die Sanierung in Eigenregie abgeschlossen. Das Erdgeschoss konnte sich – für Laienarbeit – durchaus sehen lassen. Im Keller herrschte dagegen weiterhin ein regelrechtes Kabelchaos. Zeitmangel beim Helfer, die Geburt meines Sohnes, mehrere Arbeitgeberwechsel und eine insgesamt turbulente Phase sorgten dafür, dass sich daran bis Ende 2024 nichts änderte.

Der Wendepunkt

Anfang 2025 wurde bei mir eine Berufsunfähigkeit festgestellt, wodurch ich deutlich mehr Zeit zu Hause verbrachte. Ich kümmerte mich um liegen gebliebene Projekte im Haus – das Kabelchaos im Keller ignorierte ich anfangs noch erfolgreich. Den Netzwerkschrank selbst aufzubauen, traute ich mir schlicht nicht zu. Irgendwann hatte ich den Anblick aber satt und begann, mir zahlreiche Anleitungen auf YouTube anzusehen. Je mehr ich sah, desto klarer wurde: So schwer sieht das eigentlich gar nicht aus. Ich entschied mich, es selbst in die Hand zu nehmen.

Aus den Videos wusste ich inzwischen, dass es beim Auflegen der Kabel zwei gängige Standards gibt. Also fragte ich meinen Helfer, nach welchem der beiden er damals vorgegangen war. Seine Antwort „C“ nahm ich zunächst als Scherz – ich ging davon aus, er habe schlicht nach europäischem Standard aufgelegt. Ich besorgte mir ein LSA-Auflegewerkzeug sowie einen RJ45-Tester und legte mit den bereits vorhandenen Komponenten los.

Der eigentliche Ablauf fiel mir überraschend leicht: Der Schrank war schnell an der Wand montiert, Router, Switch und Steckerleiste zügig eingebaut, und auch das Auflegen der CAT7-Kabel auf das Patch-Panel ging mir gut von der Hand. Beim anschließenden Testen der Verbindungen zwischen Patch-Panel und Dosen zeigte das Messgerät jedoch durchweg Fehler an. Fachleuten dürfte die Ursache sofort klar sein – mir damals nicht. Ich suchte den Fehler zunächst bei meiner eigenen Arbeit, doch das Patch-Panel war nicht das Problem. Erst nach und nach dämmerte mir: Das „C“ meines Helfers war kein Scherz gewesen, sondern ein eigens erfundener „Standard“.

Fehlersuche mit Ehrgeiz

Am Ende musste ich jede Dose – bis auf die in der Küche – neu auflegen. Durch die knapp bemessene Kabellänge war das keine leichte Aufgabe, gelang mit etwas Geduld aber fast überall. Eine Dose im Wohnzimmer machte weiterhin Probleme: Immer wieder legte ich die Kabel neu auf, ohne Erfolg. Interessant war, dass der Fehler nur auftrat, sobald die Metallabdeckung auf der Dose montiert war. Nach rund zwei Stunden systematischer Fehlersuche fand ich schließlich die Ursache: eine am Patch-Panel nicht sauber gekürzte Ader, die Kontakt zum Metall hatte.

Nicht alles lief auf Anhieb reibungslos – genau das hat mir aber besonders viel Freude bereitet. Vor allem die Fehlersuche hat meinen Ehrgeiz geweckt, und jede gelöste Herausforderung hat mich bestärkt. In diesem Moment stand für mich fest: Genau das möchte ich beruflich machen.

Dieses Projekt war nicht der einzige Auslöser für meine Entscheidung – schließlich hatte ich mich bereits seit einigen Jahren privat mit Smart-Home-Technik beschäftigt. Wie es dazu kam, erzähle ich im nächsten Beitrag.

Geschrieben von Jan Behr. Fragen oder Anmerkungen? Ich freue mich über den Austausch.