Vor ein paar Tagen bin ich auf LinkedIn auf eine Umfrage gestoßen, die genau diese Frage aufgeworfen hat: Würde man sich einen humanoiden Roboter für die Hausarbeit ins Haus holen? Laut der Umfrage von Bitkom kann sich das immerhin fast die Hälfte der Deutschen vorstellen. Seitdem lässt mich das Thema nicht mehr ganz los, auch wenn ich für mich selbst noch keine klare Antwort gefunden habe.

Roboter ist nicht gleich Roboter

Roboter habe ich selbst durchaus zu Hause: Mein Xiaomi Dreame und mein Mova E40 saugen täglich durchs Haus und nehmen mir diese lästige Aufgabe ab. Auch einen Mähroboter könnte ich mir gut vorstellen. Bei einem humanoiden Roboter sieht das schon anders aus – mir kommen sofort Szenarien in den Kopf, in denen ich nachts in die Küche gehe und mich zu Tode erschrecke, weil dort plötzlich jemand in der Ecke steht. Umgekehrt würde ein solcher Roboter potenzielle Einbrecher sicher abschrecken – nur wird bei mir deutlich seltener eingebrochen, als ich mich selbst erschrecken würde.

Ist die Technik schon so weit?

Im vergangenen Jahr bin ich immer wieder über Videos zu diesem Thema gestolpert. Auch auf der IFA im letzten Jahr präsentierten einige Anbieter ihre humanoiden Roboter. Ob beim Wäschewaschen oder beim Heben von Gegenständen – so richtig rund wirkte das noch nicht. Auch die aktuellen World Humanoid Robot Games in Peking zeigen eindrucksvoll, wie weit wir von Humanoiden wie in „I, Robot“ noch entfernt sind – natürlich rein motorisch gemeint, nicht in Bezug auf den Killerinstinkt. Zwar ist es beeindruckend, dass Roboter wie Tiangong oder Lightning mittlerweile schneller sprinten können als Usain Bolt, doch verwunderlich ist es schon, dass ihnen offenbar noch niemand das Bremsen beigebracht hat: Tiangong geriet nach dem Sprint aus der Bahn, Lightning stürzte sogar und musste weggetragen werden. Wenn schon meine Saugroboter Hindernisse erkennen und meist rechtzeitig abbremsen, sollte das doch eigentlich auch bei einem Humanoiden möglich sein.

Stand jetzt würde ich sagen: Wir sind von diesem Gedanken noch meilenweit entfernt. Trotzdem wundert mich eines besonders.

Das Misstrauen der Europäer

Meiner Wahrnehmung nach sind wir Europäer grundsätzlich misstrauischer unterwegs als beispielsweise die Amerikaner. Bei jedem Smart Speaker wird schnell vermutet, dass er zum Abhören genutzt wird – vom Smartphone ganz zu schweigen. KI betrachten viele Privatpersonen kritisch, solange sie nicht gerade tolle Fotos und Videos fürs Social Web erzeugt. Selbst dem Nachbarn traut man kaum noch über den Weg, sofern man ihn überhaupt kennt – aber einen potenziell intelligenten Roboter holt man sich freiwillig ins Haus? Das wirkt auf mich ein wenig paradox. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass in dieser Umfrage überwiegend SmartHome-Besitzer befragt wurden, die dem Thema ohnehin schon offener gegenüberstehen. Ich selbst bin nicht ganz so misstrauisch, aber ein Roboter, der über den von mir gesteckten Rahmen hinausdenkt, ist mir dann doch eher unheimlich. Gleichzeitig finde ich das Thema hochspannend – gerade mit Blick auf die Möglichkeiten, die sich eröffnen, sobald Hardware und Software wirklich zuverlässig zusammenspielen.

Fazit

Eine Entscheidung, die sich für mich stimmig anfühlt, kann ich aktuell noch nicht treffen. Zum Glück bleibt mir – bleibt uns allen – noch etwas Zeit, denn der große Sprung wird sicher nicht von heute auf morgen gelingen, das zeigen die aktuellen Wettkämpfe eindrücklich. Die weitere Entwicklung im Blick zu behalten, lohnt sich aber allemal.

Geschrieben von Jan Behr. Fragen oder Anmerkungen? Ich freue mich über den Austausch.